sturmtief über „my sweet home“

am morgen wappne ich mich gegen den Sturm, übe mich in ausufernder gelassenheit. nichts soll mich heute aus der ruhe bringen oder mir den tag versauen. verfrühtes aprilwetter lasse ich verlautbaren und freue mich darüber , drinnen bleiben zu dürfen.  erheitert schau ich mir die launen da draußen an, wie die zweige wippen, die wolken drohen und die regentropfen ans fenster klatschen. dramatisches theater vom feinsten.
ich habe allerdings übersehent, dass der sturm  im inneren seine kraftreserven rekrutiert. zwischen draußen und drinnen sind wände, türen fenser, ein sicheres dach, aber innen bin ich den naturgewalten ausgesetzt. manchmal blitzt die sonne durchs fenster und macht mir schöne augen. trügerisch!
ich denk mir ein dickes f- es sträubt sich raubtierhaft – und manifestiere mich in der küche, verbiete dem toben und wüten den zutritt,  bis es mir gelingt, den innenstürmen ebenso ausufernd gelassen entgegenzutreten wie denen da draußen
sollen sie doch alle bleiben wo der pfeffer wächst oder zum mond fliegen mit ihren inneren stürmen.
also wirklich, mich kann heute nichts  aus der Ruhe bringen.

 

 

 

 

 

 

Taubengrau

Als ich vor einer Weile aufgestanden bin und aus dem Küchenfenster geschaut habe, war sie wieder da, die Ringeltaube. Schon gestern am Nachmittag beobachtete ich sie im Apfelbaum, wie jedes Jahr um diese Zeit. Noch ist sie allein. Diese großen Vögel, die monogam leben, sind beachtlich. Meine Ringeltaube schaut in alle Richtungen. Sie scheint zu warten. Schnelle Bewegungen im Hausinneren mag sie nicht.  Ich hätte sie gerne fotografiert. Noch ist sie allein. Ich bin gespannt, wann sich das Weibchen dazu gesellt. Ich bemerke, dass die Knospen das Apfelbaums sich stark verdickt haben. Zeitweise , wenn es nicht in großen Tropfen regnet, zeigt der Himmel  große blaue Stellen. Veränderlich!

GRAU

Der Orkan hat das Dorf nur gestreift, ein paar Planen, die fliegen, zitternde Osterglocken. Obwohl der angekündigte Schnee ausgeblieben ist, bleiben die Türen zu. Ein dichtes, feines Sprühen fällt vom grauen Himmel. Heute hat die Sonne keine Chance. So gestatte ich dem Winter für heute, draußen vor der Tür auszuruhen, um schon bald auf große Wanderschaft zu gehen und wünsche ihm schon jetzt eine angenehme Reise gen Norden Ich trinke heißen, gewürzten Tee, freue mich an den gelben Tulpen in der Vase und der Muße des ungunverplanteneplanten Vormittags.

Silber

Silber fand ich am Maar und Skulpturen, wie vom Bildhauer gestaltet, die aber die Natur selbst aus uralten Bäumen geschaffen hat. Grau liegt der Tag über dem Wasser. Im Nieselregen zeigen sich Farbschichten im und am alten Holz. Das Innere eines Baumstumpfes gleicht einer Tropfsteinhöhle. Da wo die Angler dem Tag Zeit abringenn, reiht sich Fisch an Fisch. Schuppen fliegen silbern unter dem flinken Messer. Treibholz wie ein Hecht, vom Wasser vollgesogen. Haselkätzchen versprechen den Frühling.