was mich umtreibt 1

Viel zu früh, wie jedes Jahr

Weihnachten überall, materielles Überangebot
Kaufrausch, Hektik, Gedränge, Glanzbildprospekte…

stülpt sich über Melancholie und Trauer
versucht Graues zu verstecken,
Tod und Sterben den Raum zu nehmen

Feste feiern, wie sie fallen, ist mein Traum

 

Graue Suppe

Draußen ist es grau und nass. Stets tropft es von oben oder aus den Bäumen. Ich hatte mich dick angezogen, um das Haus zu verlassen. Welch ein Schock, die Temperaturen hier in Köln sind warm, fast schon schwül. Sie passen nicht zu dem undefinierbaren Grau da draußen.
Was denn nun, Wetter? Dicker Eintopf oder Kaltschale? Ich bitte um etwas mehr Entschiedenheit.
Diese Suppe ist wie das Klima in einem Gewächshaus,  in dem Tomaten und Gurken bis in den Himmel ranken würden, wenn das Dach sie ließe.

Regengrau

Tropfen um Tropfen regne ich mich zurück, bis ich eine Riesenpfütze bin, darin gut aufgelegte Menschen in bunten Gummistiefeln platschen und spritzen. Die Tristesse bleibt, aber die bunten Sprenkel darin werden immer mehr. Der Milchkaffee danach schmeckt besser als sonst.

sturmtief über „my sweet home“

am morgen wappne ich mich gegen den Sturm, übe mich in ausufernder gelassenheit. nichts soll mich heute aus der ruhe bringen oder mir den tag versauen. verfrühtes aprilwetter lasse ich verlautbaren und freue mich darüber , drinnen bleiben zu dürfen.  erheitert schau ich mir die launen da draußen an, wie die zweige wippen, die wolken drohen und die regentropfen ans fenster klatschen. dramatisches theater vom feinsten.
ich habe allerdings übersehent, dass der sturm  im inneren seine kraftreserven rekrutiert. zwischen draußen und drinnen sind wände, türen fenser, ein sicheres dach, aber innen bin ich den naturgewalten ausgesetzt. manchmal blitzt die sonne durchs fenster und macht mir schöne augen. trügerisch!
ich denk mir ein dickes f- es sträubt sich raubtierhaft – und manifestiere mich in der küche, verbiete dem toben und wüten den zutritt,  bis es mir gelingt, den innenstürmen ebenso ausufernd gelassen entgegenzutreten wie denen da draußen
sollen sie doch alle bleiben wo der pfeffer wächst oder zum mond fliegen mit ihren inneren stürmen.
also wirklich, mich kann heute nichts  aus der Ruhe bringen.

 

 

 

 

 

 

Himmelblau

vor den zerissenen Wolken
und den Fetzen aus Himmelblau
tanzen die Birken im Wind
sie wiegen die Zweige
und streben und strotzen
dem Frühling entgegen

komm, liebste Freundin
reich mir die Hände
lass uns tanzen und lächeln
schmieden wir den neuen Bund
kraftvolle Farben
gegen halsstarrige Tristesse

 

 

 

Taubengrau

Als ich vor einer Weile aufgestanden bin und aus dem Küchenfenster geschaut habe, war sie wieder da, die Ringeltaube. Schon gestern am Nachmittag beobachtete ich sie im Apfelbaum, wie jedes Jahr um diese Zeit. Noch ist sie allein. Diese großen Vögel, die monogam leben, sind beachtlich. Meine Ringeltaube schaut in alle Richtungen. Sie scheint zu warten. Schnelle Bewegungen im Hausinneren mag sie nicht.  Ich hätte sie gerne fotografiert. Noch ist sie allein. Ich bin gespannt, wann sich das Weibchen dazu gesellt. Ich bemerke, dass die Knospen das Apfelbaums sich stark verdickt haben. Zeitweise , wenn es nicht in großen Tropfen regnet, zeigt der Himmel  große blaue Stellen. Veränderlich!